Georg K. Glaser. Autor und Revolutionär

„Wie schwer mußte es dem rastlos grübelnden, sich unter jedem Schlag aufbäumenden Menschen fallen, das stillschweigende Übereinkommen, das die Zeit allen anbot, zähneknirschend anzunehmen: >>Füge dich in den Alltag, ergib dich, wofür wir dir Ruhe sichern.<<„

Georg K. Glaser „Geheimnis und Gewalt“

Georg K. Glaser, am 30. Mai 1910 im rheinhessischem Guntersblum geboren als Sohn eines zum Postbeamten aufgestiegenen Schusters, aufgewachsen im benachbarten Dolgesheim und in Worms, wo er ab 1916 die Volkshochschule besuchte. Glaser geriet als jugendlicher Vagabund und Rebell in verschiedene Erziehungsanstalten und schloß sich kommunistischen Jugendverbänden an. 1923 kam er wegen Landfriedensbruch ins Gefängnis. Als Arbeiter verdiente er sich seinen Lebensunterhalt in verschiedenen Industriezweigen im Rhein-Main- und im Ruhrgebiet. Er begann Erzählungen, Skizzen und Reportagen zu schreiben, (u.a. sein Buch „Schluckebier“), veröffentlicht in der „Linkskurve“ und wird Mitglied im „Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller“. Zeitweise war er Gerichtsreporter für die KPD und publizierte auch für die Frankfurter Zeitung.

Glaser galt zu beginn der 1930er Jahre als Vertreter der KPD-treuen revolutionären Literatur, ging aber mehr und mehr auf Abstand zur kommunistischen Ideologie und besann sich auf seine persönlichen anarchistischen Anfänge. Er beteiligte sich an den Kämpfen in Worms 1932 zu den er später schreibt: „Es kam zu keinem Kampf; es wurde ein Gemetzel.“ An diesem Tag gibt es zahlreiche tote und schwerletzte Nazis. 1933 floh er vor der Gestapo nach Paris, nahm teil am Saarkampf und setzte sich nach einem Gefängnisaufenthalt erneut nach Frankreich ab. In Paris traf er auf Arthur Koestler. Nach einem Zwischenaufenthalt in Toulouse arbeitete er in der Normandie bei der Französischen Staatsbahn. Glaser wurde 1939, inzwischen französischer Staatsbürger, zum 129. Infanterie-Regiment nach Le Havre eingezogen und geriet in der Normandie in Gefangenschaft. 1943 floh er aus dem Kriegsgefangenenlager Görlitz und wurde in der Nähe von Straßburg wieder festgenommen.

In den letzten eineinhalb Kriegsjahren war er in verschiedenen Straflagern interniert. 1945 kehrte er nach Paris zurück und arbeitete am Fließband der Renault-Werke sowie in einer Zuckerfabrik und engagierte sich in der französischen Arbeiterbewegung. 1949 machte er sich mit der Gründung einer Werkstatt in Saint-Germain-des Prés selbständig und zog 1968 um in den Pariser Stadtteil Marais, wo er, unterstützt von seiner Frau Anne, als >Dinandier< (Kupfer und Silberschmied) arbeitete. Glaser starb am 18. Januar 1995 in Paris.

Geheimnis und Gewalt

Deutsche Verlage lehnten zunächst sein Hauptwerk „Geheimnis und Gewalt“ ab, so das es erst nur in französischer Übersetzung erscheinen konnte. Und auch heute noch gilt Georg K. Glaser zu den Außenseitern und Unbekannten der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Dennoch zählt es stofflich wie stilistisch zu den beeindruckendsten und bedeutendsten Büchern der Nachkriegsjahre. Dort wird die Geschichte eines Lebens erzählt, das die Jahre vom ersten bis zum Ende des zweiten Weltkriegs umfaßt: Hungerjahre und Vagabundenleben, Erziehungsheim und Gefängnis, Arbeiterbewegung und Widerstand, Exil und Arbeitslager (Vgl. Michael Rohrwasser; Nachwort zur achten Auflage der Büchergilde Gutenberg; 1989). Sein Buch „Geheimnis und Gewalt“, eine Mischung aus Autobiographie und Erzählung schildert schonungslos und grundehrlich die Zeiten der 20er und 30er Jahre, die Gräuel des 2. Weltkrieges, das Morden und Sterben, das Leben im Exil, die Realität in den Lagern und schließlich die beginnende Nachkriegszeit aus der Sicht und Realität eines revolutionären Arbeiters. Seine Bücher sind wahre Fundgruben an Geist und Motivation für alle Menschen, die in Zwangsmaßnahmen stehen, für Mädchen und Jungen, die unter der Gewalt von Eltern leiden, für Gefangene in den Knästen. Es sind Bücher für Arbeiterinnen und Arbeiter, Frauen und Männer, Bücher für die Revolution und die Liebe zum selbstbestimmten, freien Menschen. (Vgl. Martin Veith; Georg Glaser, ein vergessener Genosse…; 2009).

 

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